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xxDas Geräusch des Regens Kapitel 3
Geschrieben von Knubbel am Freitag, 20. März 2009
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Kapitel 3

Routine


 

Routine

Diana wachte auf. Zitternd.
Sie war außer Atem vor Anstrengung. Ihr Herz raste wie wild und sie war nass geschwitzt.
Sie brauchte einige Augenblicke, um ihre Augen scharf zu stellen, und sah dann auf die kleine Uhr auf dem Kaminsims.
Zehn nach Zwölf zeigte die Uhr. Sie hatte über vier Stunden geschlafen!
Das konnte nicht war sein! So ein Mist, dachte sie sich. Jetzt hatte sie nur noch knapp eine halbe Stunde Zeit, bis ihre Eltern wiederkamen. Die Arbeit in der Kanzlei konnte sie für heute vergessen.

Diana setzte sich viel zu schnell auf.
Zuerst traf sie ein dumpfes Pochen in der Brust, dann begann sich plötzlich das Zimmer zu drehen.
Übelkeit stieg in ihr auf. Sie keuchte vor Schmerz. Ihre Lungen verkrampften sich bei jedem Atemzug. Dennoch schaffte sie es, sehr flach zu atmen, sodass ihre Lungen Sauerstoff aufnehmen konnten ohne dass der Schmerz sie übermannte.

Panik stieg in ihr auf.
Der Sauerstoffmangel ließ ihr Herz noch schneller und schmerzhafter gegen ihr Brustbein hämmern.
Es war schon lange her, dass solche Schmerzen sie geplagt hatten.
Die Panik war kurz davor sie völlig zu übermannen. Die tief vergrabene Routine in solchen Situationen bewahrte sie dennoch einige Atemzüge später vor der endgültigen Panikattacke.

Sie hatte es schon so oft erlebt. Es war nur schon so lange her. Trotzdem wusste sie genau, was sie zu tun hatte. Durch die Hölle gehen, damit es besser würde. Freiwillig sich dazu zwingen, obwohl der Schmerz sie zum Gegenteil überreden wollte.

Ganz ruhig Diana, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Trau dich! Wenn du einige Male deine Lungen dazu gebracht hast, sich ganz zu füllen, dann wird es besser werden. Schließ die Augen und konzentriere dich.

Sie keuchte immer noch, als sie die Augen schloss und ihre Lungen zwang, sich ganz zu entfalten. Brennender Schmerz erfüllte ihre Rippen, als sie das erste Mal tief einatmete. Für einen Moment dachte sie ihr Brustkorb würde zerspringen  
Es war schwer, dem Gefühl der Panik nicht wieder nachzugeben.
Zitternd griff sie in die Lehne des Sofas um ein lauteres Keuchen zu ersticken.

Der zweite Atemzug war besser. Immer noch kaum zu ertragen, aber schon viel besser. Mit jedem weiteren tiefen Atemzug merkte sie, wie der Sauerstoff ihr Herz beruhigte und ihre Lungen langsam weniger schmerzten.

Zitternd und schweißnass saß sie einige Sekunden da, bis sie sich so weit unter Kontrolle hatte, dass sie sicher sein konnte, nicht gleich wieder in Panik zu geraten. So gut es ging atmete sie noch einmal durch  und öffnete langsam die tränennassen Augen. Einige Atemzüge später wurde es endgültig besser.

Erschöpft lehnte sie sich an das Sofa und zog die Knie bis zum Kinn.
Sie legte den Kopf auf die Knie und wartete, bis ihr Herz sich endgültig beruhigt hatte. Leise schluchzend saß sie  einige Minuten regungslos dort und lauschte ihrem aufgebrachten Herzen. Der Schwindel ließ mit der Zeit nach und Diana rappelte sich langsam auf. Noch etwas wackelig auf den Beinen ging sie erst einmal in die Küche und goss sich ein Glas Wasser ein  Was war das heute nur für ein Tag?

Sie hatte nun keine Zeit mehr, einen eigenen Kuchen zu backen, also nahm sie einen gefrorenen Apfelkuchen aus der Tiefkühltruhe mit hinüber in das Haus ihrer Eltern. Dass die beiden Häuser nebeneinander gebaut waren und man durch einen Durchgang in das Nachbarhaus gelangen konnte, fand Diana immer noch sehr praktisch.

Sie lebten in einer  schönen, ländlichen Gegend, das Haus war erst vor zwei Jahren fertig geworden.
Ein wirklich schönes Doppelhaus, mit jeweils einem  großen Wintergarten und einem riesigen gemeinsamen Garten. Jedes der beiden Häuser hatte eine Wohnfläche von  über 180m²  auf  zwei Etagen. Von außen war es schlicht, weiß und modern. Die Wintergärten gingen nach hinten hinaus, genauso wie der Balkon. Man konnte das Potential der Häuser nicht direkt auf den ersten Blick erkennen.

Diana liebte es, hier zu wohnen. Sie liebte den Blick aus ihrem Schlafzimmerfenster, der den kleinen Wald hinter dem Garten zeigte. Schaute man weiter, konnte man Felder und Wiesen erkennen. Das Land stieg nach Süden etwas an, und weit am Horizont erkannte man bei gutem Wetter die ersten Vorläufer der Alpen.  Sie liebte besonders den Blick über die Felder, wenn der Tag noch ganz jung war und der Nebel lautlos und leise über die Felder streichelte Für nichts in der Welt würde sie hier wieder wegziehen.

Sie ging in den Wintergarten ihrer Eltern. Er bestand aus zwei Glasfronten. Die linke Seite war komplett verglast, genauso wie die Front und das Dach. Nur die rechte Seite war durchgehend gemauert. So hatte man in beiden Hälften des Hauses seine Privatsphäre. Im Wintergarten ihrer Eltern war die Wand dunkelrot gestrichen. „Die schlafende Frau“ von Picasso hing darauf. Wunderschön war diese einfache Bleistiftzeichnung.  In ihrem und Richards Wintergarten war die Wand mit Sandsteinbruch versehen, was dem Raum zusätzliche Wärme und mediterranes Flair verlieh.

Es war jetzt heller draußen,  was Dianas Stimmung schlagartig aufhellte. Es regnete nicht mehr! Zwar  
hingen dicke, dunkle Wolken über dem Garten, aber es regnete nicht mehr. Es war bitter kalt drüben und Diana beschloss, erst einmal die Heizung anzumachen. Dann ging sie  in die Küche ihrer Eltern, um den Kuchen im Ofen auszubacken.

Diana freute sich schon seit Tagen auf ihre Eltern, und die Sehnsucht nach Katharina war riesig.
Dreieinhalb war sie mittlerweile schon, unendlich süß mit ihren langen blonden Zöpfen und dem frechen Mundwerk. Ein Wirbelwind wie er im Buche steht. Drei Wochen war sie mit Dianas Eltern in Portugal gewesen. Diana kam es wie eine halbe Ewigkeit vor, so lange von ihr getrennt zu sein.
Gerade als sie dabei war Teewasser aufzusetzen, hörte sie den Wagen ihres Vaters, der in der Einfahrt vor den Garagen parkte. Einige Sekunden später hörte Diana den Schüssel, der die Haustür öffnete.
Sie ging in den Flur, und Katharina kam sofort auf sie zugestürmt. Und Diana schloss sie liebevoll in die Arme.

Das Geräusch des Regens Kapitel 3

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